Komponisten und Werke

Sidney Corbett, 1960 in Chicago geboren, studierte Musik und Philosophie an der University of California, San Diego, der Yale University, wo er 1989 promovierte, sowie 1985 bis 1988 an der Hamburger Musikhochschule bei György Ligeti. Seit 1985 ist Corbett vorwiegend in Europa tätig. Seine Werke, die Bühnen-, Orchester-, Instrumental-, Solo- und Vokalliteratur umfassen, erhielten zahlreiche Preise und Auszeichnungen im In- und Ausland und werden weltweit aufgeführt. Seit 2006 ist Corbett Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mannheim und ist auch Leiter des dortigen Forums für Neue Musik.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner jüngeren Arbeit liegt im Bereich des Musiktheaters. So liegen inzwischen fünf Opern vor. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Gattung Lied bzw. Vokalmusik. Corbetts Musik wird durch Edition Nova Vita verlegt und durch Edition C.F. Peters, Frankfurt weltweit vertrieben. Sein Werk „Archipel Machaut“ entstand 2012 im Auftrag des Lausitzer Musiksommer für mixtura. Sidney Corbett lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Berlin.

Sarah Nemtsov wurde 1980 in Oldenburg geboren, mit acht Jahren begann sie zu komponieren. Sie studierte Komposition bei Nigel Osborne, Johannes Schöllhorn und Walter Zimmermann (Meisterschülerexamen mit Auszeichnung), sowie Oboe bei Klaus Becker und Burkhard Glaetzner und erhielt verschiedene Stipendien und Preise (2011 Villa Serpentara, 2012 Deutscher Musikautorenpreis „Nachwuchsförderung“, 2013 Busoni-Kompositionspreis u.a.). Ihre Werke wurden bei renommierten Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen, „Ultraschall“ Berlin, Wien Modern oder „Musica“ Straßburg aufgeführt. Zusammenarbeit u.a. mit den Neue Vocalsolisten Stuttgart, dem Ensemble Accroche note, Ensemble Adapter, Trio Accanto, Nomos-Quartett, sowie der Internationalen Ensemble Modern Akademie. Die Kammeroper Herzland wurde 2011 an der Bayerischen Staatsoper neuinszeniert. Ihre Oper L’ABSENCE hatte 2012 bei der Münchener Biennale Premiere. Ihr Werk „Briefe – Heloisa“ entstand 2012 im Auftrag von mixtura. Sarah Nemtsov lebt in Berlin.

 

Der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi, Jahrgang 1970, wuchs in einem arabischen Dorf nahe Tel-Aviv auf. In seiner Heimat beschäftigte er sich intensiv mit traditioneller arabischer Musik. Begeistert von der Ästhetik der Neuen Musik in Europa kam er mit 22 Jahren nach Deutschland. 1992–96 studierte er in Kiel Musikwissenschaft, 1998-2005 Komposition bei Younghi Pagh-Paan in Bremen. Kontinuierlich entwickelte er ein kompositorisch unverwechselbares Profil. Seine Musiksprache ist kraftvoll, extrem, sie resultiert aus einer ganz eigenständigen Reflexion arabischer Vokalkultur aus der Perspektive internationaler Avantgarde. Odeh-Tamim erhielt u.a. Aufträge der Donaueschinger Musiktage, der Musica Viva München, der Ruhrtriennale und des Forum neuer Musik des Deutschlandfunk.  

Sein Werk „ÒD“ für Schalmei und Akkordeon entstand 2012 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, Studio Franken für mixtura.

Joachim Heintz war zunächst fasziniert von den zwei Instrumenten. In seinem Stück „Verdeckt“ fragt er nach einer gemeinsamen akustischen Schnittmenge beider. Der frühere Schüler von Günter Steinke und Younghi Pagh-Paan und heutige Leiter des Elektronischen Studios an der HMT Hannover folgt dabei der Idee klanglicher Annäherung und Ergänzung. Die Tenorschalmei tritt erst am Ende deutlich hörbar zutage, zuvor bleibt sie im breiten Klangspektrum des Akkordeons verborgen.

Szesana Nesic ist selbst Akkordeonistin und lehrt in Hannover Interpretation Neuer Musik. In „sfumato in green“ zielt sie auf eine finale Verschmelzung beider Klangerzeuger. Ihr Werk ist von einer speziellen Maltechnik da Vincis inspiriert, bei der im Hintergrund alles ineinander verläuft. Äquivalent fließen hier das Aerophon Akkordeon und Blasinstrument ineinander, wobei die Bläserin von der Alt- zur Sopranschalmei wechseln muss, die hellere Obertöne erzeugt.

Der gebürtige Ecuadorianer Eduardo Flores Abad, studierte bei Nicolaus A. Huber und Ludger Brümmer, zielt auf das Verhältnis von Freiheit und Struktur. Seine Komposition „Nueve preguntas“ (dt.: neun Fragen) ist in neun Teile gegliedert. Fermaten fordern zu eigener freier Gestaltung der Klänge heraus. Mit vorgegebenem Material gilt es, nach eigener Entscheidung zu verfahren, wobei Crescendi, Triller, Glissandi entstehen – oder auch ein leerer Raum.

Sharouk Khajenouri hat in London Komposition und Elektronische Musik studiert, er unterrichtet an der Musik- Universität Teheran und ist sowohl Musiker als auch Bildender Künstler. In seinen „Fragments“ entführt er mittels Vierteltönen und Glissandi in die Klangwelt seiner iranischen Heimat. Dem Akkordeon ist dabei der Part des Orchesters zugedacht, es imitiert Schlag- und Streichinstrumente eines traditionellen Ensembles. Die Melodiestimme hat die Aufgabe, als europäisches Instrument Klänge hervorzurufen, die eigentlich nur die persische Schalmei zu realisieren vermag.