MIXTURA - Das Ensemble

In MIXTURA realisieren Katharina Bäuml und Margit Kern seit 2010 Projekte, in denen sich Komponisten und Sprachen weit auseinander liegender Zeiten begegnen. Die Schalmei, ein Rohrblattinstrument des 14. Jahrhunderts, steht dabei für Geist, Klang und Spielpraxis der Renaissance, das Akkordeon für die Erfahrung und Klangwelt der Neuen Musik. 

Da es kein bereits existierendes Repertoire für Ihre Besetzung gibt, ist es den Musikerinnen wichtig, einen profunden Dialog mit zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten zu führen, an dessen Ende oftmals die Entstehung eines neuen Werkes steht. Hinzukommen Kompositionsaufträge u.a. vom Deutschlandfunk, Bayerischen Rundfunk, RBB Kulturradio und verschiedenen nationalen und internationalen Festivals.

Die Projekte von MIXTURA spannen allesamt einen Bogen über die Zeiten und Musikstile. So erschien 2011 die erste CD „Miniatures“ mit eigens für MIXTURA neu geschriebenen Stücken von Ali Gorji, Joachim Heintz, Erwin Koch-Raphael, Shaoroukh Khajenouri, Snezana Nesic, Tatjana Prelevic in Kombination mit Werken von der Renaissance. „Archipel Machaut“, erschien 2013 und kontrastiert exklusiv komponierte neue Arbeiten von Sidney Corbett Sarah Nemtsov, Samir Odeh-Tamimi mit mittelalterlicher Musik von Guillaume de Machaut.  Es folgten „Sybilla“ mit Musik des Renaissance-Komponisten Orlando di Lasso in Kombination mit Neukompositionen von Karin Haußmann, Annette Schlünz und Babette Koblenz. Zuletzt erschien 2018 „Omaggio a Francesco“ - West-Eastern Reflections on Landini mit Kompositionen von Farziah Fallah, Ehsan Ebrahimi und Arsalan Abedian.
Es liegen Rundfunkmitschnitte des Ensembles vor, u.a  Deutschlandfunk Kultur/ RBB Kulturradio 2019, Bayerischer Rundfunk 2018, NDR Kultur 2018, Deutschlandfunk Kultur/ RBB Kulturradio 2017, MDR Kultur, WDR Kultur 2016, RBB Kultur 2016, Bayerischer Rundfunk 2014.
 Zusammen mit dem Audi Jugendchor realisierte MIXTURA das Projekt „aus der Tiefe der Zeit mit Musik von Machaut und Odeh-Tamimi, ein weiteres Spezialprojekt ist „Emma sei stark“ mit den Schauspielerinnen Maren Kroymann und Sonia Beisswenger (Movimentos 2017).

MIXTURA tritt auf Festivals im In- und Ausland auf, zuletzt bei Ultraschall Berlin 2019 mit Uraufführungen von Eres Holz und Dániel Péter Biró. Konzertreisen führten das Duo bereits in die Schweiz, nach Österreich, Italien und in die Türkei.

KOMPOSITIONEN VON (Auszüge, komplette Liste unter REPERTOIRE>>):

Arsalan Abedian
Dániel Péter Birò
Sidney Corbett
Karin Haussmann
Eres Holz
Sarah Nemtsov
Samir Odeh-Tamimi
Annette Schlünz

MIXTURA – Schalmei und Akkordeon

Akkordeon und Schalmei – gegensätzlicher können zwei Instrumente kaum sein, auf den ersten Blick zumindest. Die Schalmei, ein Rohrblattinstrument des 14. bis 17. Jahrhunderts war zu ihrer Zeit universell im Gebrauch. Im Zusammenspiel mit Zink, Pommer und Posaune bestimmte sie die Klangwelt der Renaissance – in Stadtpfeifer-Formationen ebenso wie Kirchen- und Unterhaltungsmusik. Das Akkordeon seinerseits, ein Aerophon des 19. Jahrhunderts entwickelt sich seit etwa fünfzig Jahren auch in der ernsten Musik zum Konzertinstrument. Zeitgenössische Komponisten schreiben dafür und haben seine Klangästhetik schätzen und zu erweitern gelernt. Was kann ein Zusammentreffen solch unterschiedlicher Instrumente heute leisten und offenbaren?

Es kann ein Experiment sein. Es kann auch viel mehr sein: ein aufregender Neuanfang, eine Reise mit unbekanntem Ziel, ein Aufbruch ins Unbekannte.  In der Begegnung verschiedener Zeiten, in der Begegnung verschiedener Spielkulturen muss es um mehr als ein klangliches Experiment gehen. Hörbar werden muss die Gegenwart des Vergangenen; die universelle, weil in ihrem Wesen unveränderliche musikalische Kommunikation über Jahrhunderte hinweg. Beide Instrumente verlassen ihren geschichtlichen Raum. Das Akkordeon begibt sich mit seinen ureigenen Möglichkeiten in das Repertoire von Frühbarock und Renaissance mit seiner eigenen Sprache und Transkribierpraxis. Die Schalmei erweckt die Virtuosität, ihren besonderen archaischen Klang und damit ihr gänzlich unerforschtes Potential für heutiges Komponieren zum Leben. Beide zusammen machen sich auf in den Raum des jeweils anderen Instrumentes.